Mit dem Pflege-Sofortprogramm, das Spahn am 23. Mai vorgestellt hatte, geht er über den Beschluss im Koalitionsvertrag hinaus, in dem von 8.000 neuen Stellen die Rede ist, was von vielen Experten als „Tropfen auf dem heißen Stein“ heftig kritisiert wurde.

Von den mindestens 13.000 neuen Stellen soll jede vollstationäre Altenpflegeeinrichtung profitieren. Laut dem Papier erhalten Heime mit bis zu 40 Bewohnern jeweils eine halbe Stelle zusätzlich, Einrichtungen mit 41 bis 80 Bewohnern bekommen eine volle Stelle, bei 81 bis 120 Bewohnern sind es anderthalb und bei größeren Einrichtungen zwei zusätzliche Stellen.

Experten betonen immer wieder, dass der Markt für Pflegekräfte leergefegt sei. Gemeinsam mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sowie Gewerkschaften und Arbeitgebern will Spahn über weitere Schritte gegen die Personalnot in der Pflege beraten. Der Pflegeberuf soll insgesamt wieder attraktiver werden Zum Beispiel sollen Familie und Beruf besser vereinbar sein. Eine Idee ist, Kitas mit besonderen Betreuungszeiten anzubieten. Spahn hofft, durch eine höhere Attraktivität des Pflegeberufs ehemalige Fachkräfte zu einer Rückkehr und Teilzeitkräfte zum Aufstocken bewegen zu können. Für ausländische Pflegekräfte soll es einfacher werden, in Deutschland zu arbeiten.

Das Sofortprogramm will auch in die Ausbildung des Pflegenachwuchses sowie in die Digitalisierung in der Pflege investieren. Damit soll einer zu hohen Bürokratisierung, die die Fachkräfte von der eigentlichen Arbeit am Menschen abhält, entgegengewirkt werden.

"Wir haben verstanden", sagte Spahn. Das Sofortprogramm sei ein erster Schritt, um die Menschen in den Pflegeberufen zu unterstützen. Er wolle ihnen damit vermitteln, dass die Politik verstanden habe, wie sehr sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege in den letzten Jahren verschlechtert hätten. Nun gelte es, die Vertrauenskrise zu überwinden.