Eine Fortbildung zum Thema „Umgang mit dementiell veränderten Menschen“ brachte Frau Schmitz auf den Gedanken mit ihrem Riesenschnauzer „Balu“ Bewohner eines Seniorenheims zu besuchen. Einen solchen Hundebesuchsdienst gab es in dieser Einrichtung zuvor noch nicht. Obwohl Balu genau die Eigenschaften vereinte – groß und schwarz – die bei ängstlicheren Menschen eher Panik auslösen, wurden seine Besuche jedes Mal zur Attraktion. Die vitaleren der Bewohner versammelten sich am Besuchstag in einem großen Raum und setzten sich in einen Kreis. Frau Schmitz hatte Leckerlis in Zeitungspapier gewickelt u.a. auch um zu verhindern, dass die alten Menschen ihren Hund - in bester Absicht - mit Süßigkeiten fütterten. Die Senioren warfen ihm die Leckerlis zu und freuten sich immer sehr, wenn Balu sie fing und wild das Zeitungspapier zerrupfte. Manchmal beugten sie sich auch zu Balu herunter oder setzten sich zu ihm auf den Boden und Frau Schmitz war überrascht, zu welchen Bewegungen die Senioren fähig waren, wenn es um Balu ging.

Sehr berührt war Frau Schmitz immer wieder, wenn durch den Hund eine Verbindung zu Menschen hergestellt wurde, was weder Heimmitarbeitern noch Angehörigen gelang. Einmal hatte die Heimleitung  sie gebeten, mit Balu eine alte Dame in ihrem Zimmer zu besuchen. Frau Schmitz war überrascht, als sie eine komatös wirkende Frau vorfand, die auf keine Ansprache reagierte. Sie wollte schon kehrt machen, als Balu auf das Bett der Frau zulief und instinktiv seinen Kopf neben sie auf das Kopfkissen legte. Sie befürchtete, dass die Frau zu Tode erschrecken würde, wenn sie diesen riesigen schwarzen Hundekopf neben sich wahrnehmen würde. Stattdessen ging ein Lächeln über das Gesicht der alten Dame. Frau Schmitz legte ihr ein Leckerli in die Hand, das Balu sachte heraus nahm.  Nach einiger Zeit verabschiedeten sich Frau Schmitz und Balu von einer beseelt lächelnden Dame.

Leider gehören die Erlebnisse von Dorothee Schmitz mit Balu inzwischen der Vergangenheit an, denn Balu lebt schon länger nicht mehr. Sieben Jahre lang machten die beiden den Hundebesuchsdienst im Seniorenheim . Frau Schmitz hat inzwischen aber wieder einen Riesenschnauzer, einen jungen, ungestümen Rüden, den sie im Moment noch nicht auf die Senioren „loslassen“ kann.