Jeder Halter eines Haustiers weiß um dessen positive Wirkung: Wer mit seinem Hund spazieren geht, ist an der frischen Luft, hat Bewegung und kommt leicht mit fremden Menschen in Kontakt. Ein Haustier zu streicheln oder schon die bloße Anwesenheit von Haustieren in einem Raum senken Herzfrequenz und Blutdruck und hemmen die Ausschüttung von Stresshormonen, wie wissenschaftliche Studien belegen. Bei der Betreuung von Demenzkranken hat sich sogar gezeigt, dass Tiere Zugang zu Patienten gefunden hatten, bei denen andere Therapieformen versagt hatten. Auch Senioren, die nicht mehr oder nicht mehr gut sprechen können, können mit einem Tier kommunizieren. Die Berührung eines warmen Katzenfells spendet Trost oder ruft Erinnerungen wach. Tiere sind Brückenbauer zwischen dem heutigen und dem früheren Leben pflegebedürftiger Menschen, sagt die Tiertherapie-Expertin Dr. Carola Otterstedt.

Tiere motivieren die Senioren dazu aktiv zu werden, mit ihnen zu reden, zu spielen und sie zu streicheln. Dabei ist immer wieder zu beobachten, dass selbst Bewohner mit eingeschränkter Motorik, im Umgang mit Tieren zu Bewegungen fähig sind, die ihnen sonst nicht möglich sind. Egal, ob Hund, Katze oder Kanarienvogel, Tiere nehmen die Einsamkeit und vermitteln das Gefühl, gebraucht und geliebt zu werden. Da Tiere oft auf Kinder sehr anziehend wirken, machen sie auch für diese den Besuch bei der Oma oder dem Opa im Pflegeheim attraktiver.

Doch bei allen Vorzügen ist die Haltung von Tieren im Pflegeheim nicht unproblematisch. Ein Tier macht Arbeit und muss tiergerecht gehalten werden. Da viele Bewohner in Pflegeheimen eine geschwächte Konstitution haben, müssen hohe Hygienestandards erfüllt werden. Daher sind in vielen Heimen oft nur kleinere Tiere, wie Vögel oder Fische zugelassen. In Japan wird das Hygieneproblem mit Tierrobotern umgangen. Während Tierroboter hierzulande schwer vorstellbar sind, lobt man in Japan deren Einsatz bei alten Menschen. Die interaktive Robbe „Paro“ etwa registriert durch einen Bewegungsmelder, wenn sich ihr jemand nähert und reagiert mit freudigen Lauten, hebt den Kopf und klimpert mit den Wimpern. Gerade an Demenz erkrankte Menschen sollen sich durch das Kuscheltier an eigene Kinder und eigene Haustiere erinnert fühlen und eine Beziehung zu ihm aufbauen können.

Während in Japan Tierroboter generell akzeptiert sind, z.B. als Tierersatz in dicht besiedelten Ballungsräumen, stoßen sie in Deutschland auf Vorbehalte: Ein Tierroboter könne eben nicht ein lebendiges Wesen ersetzen, meinen Kritiker,  das auch spontan und unberechenbar sei. Sie empfinden den Einsatz von Tierrobotern in Pflegeheimen als unethisch, weil dadurch demenzkranke Menschen bewusst getäuscht würden.

Da die Tierhaltung in Seniorenheimen problematisch sein kann und Roboter keine Alternative sind, gibt es in manchen Einrichtungen die Regelung, dass das Pflegepersonal eigene Haustiere mitbringt, Ehrenamtliche besuchen regelmäßig mit ihren Hunden die Senioren oder die Heimleitung organisiert Besuche von benachbarten Bauernhoftieren.