Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte bereits im vergangenen Jahr eine Diskussion über die Pflegereform angekündigt. Durch die Corona-Pandemie hatte man diese verschieben müssen. Nun kündigte Spahn eine Debatte für den Herbst an. Dann wisse man, wie die Corona-Pandemie sich genau auf die Sozialkassen auswirke.

Die Leistungen der Pflegeversicherung sollen ab dem kommenden Jahr an die Preisentwicklung angepasst werden. Die Bundesregierung ist gesetzlich ohnehin verpflichtet, in diesem Jahr zu prüfen, ob eine Anpassung erforderlich ist. Zuletzt waren die Leistungen Anfang 2017 angepasst worden. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU) sagte, dass eine Erhöhung des Beitragssatzes gleich zum Start der Pflegereform vermieden werden solle. Er sprach sich dafür aus, die Förderung für die private Pflegevorsorge auszuweiten.

Anja Piel vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) sagte: "Wer jetzt die Pflegeversicherung zukunftsfest machen will, muss alle medizinisch gebotenen Pflegeleistungen auskömmlich finanzieren, aber auch die Investitionskosten in die Infrastruktur übernehmen und die Renditen gesetzlich deckeln." Nur dann könne das Geld der Beitragszahlenden der Pflege dienen, statt in die Taschen von Hedgefonds und Kapitaleignern zu fließen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies darauf hin, dass die Pflegekosten in den Heimen seit 2017 um mehr als 30 Prozent gestiegen seien.

Die FDP unterstützte den Vorschlag, die private Vorsorge staatlich stärker zu unterstützen. Grünen-Expertin Kordula Schulz-Asche dagegen kritisierte dies: Aktuelle Meldungen zeigten doch, dass die Beiträge für die privat Versicherten "förmlich explodieren", so die Grünen-Politikerin. Das sei keine nachhaltige Form der Pflegefinanzierung.