Ende Mai wurde die Curanum-Seniorenresidenz in Schwelm für den „Grünen Haken für Arbeitszufriedenheit“ begutachtet. Das Besondere dabei: coronabedingt fand das Gespräch unseres Gutachters Paul R. Schneider mit den Pflegekräften bzw. mit der Einrichtungsleiterin erstmals per Video-Telefonie (Skype) statt.

HVZ: Herr Schneider, wie fanden Sie die Begutachtung?

Paul R. Schneider: Sehr spannend, weil diese Begutachtung in zweifacher Hinsicht, sowohl für mich und auch für das Heimverzeichnis, Neuland war: Zum Einen, der „Grüne Haken für Arbeitszufriedenheit“ ist ein ganz neues Projekt, das die Befragung des Pflegepersonals zum Inhalt hat. Zum Anderen, die Befragung musste, coronabedingt, aus dem „home office“, d.h. per Skype durchgeführt werden. Beides zusammen war also eine echte Herausforderung für ein Pilotprojekt!
Zugegeben, mir kommt eine Begutachtung in dieser Form sehr entgegen. Ich habe eine gewisse Affinität zur Computerarbeit und mache bereits seit einiger Zeit meine Begutachtungen zur „Lebensqualität der Heimbewohner“ mit dem Tablet-PC, statt mit dem gedruckten Fragenkatalog. Als Gutachter-Teamleiter versuche ich natürlich auch, mein Team von den Vorzügen dieser Vorgehensweise zu überzeugen, aber leider wollen da noch nicht alle mitziehen.

HVZ: Wie lief die Begutachtung ab?

Paul R. Schneider: Nachdem wir uns auf den Termin geeinigt hatten, bekam ich von der Einrichtungsleiterin, Frau Best, eine Liste zugeschickt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die an diesem Tag Dienst hatten und mindestens seit 9 Monaten in der Einrichtung angestellt sind. Die Namen waren anonymisiert. Es war für mich also lediglich erkennbar, ob es sich um männliche oder weibliche Mitarbeiter handelt und ob sie als Hilfskraft oder Fachkraft in der Pflege tätig sind.
Aus dieser Liste habe ich dann 4 Personen, je 2 Fach- bzw. Hilfskräfte (eine Frau und einen Mann) zur Befragung ausgesucht. Alle an dem Tag tätigen Personen waren im Vorfeld von der Einrichtungsleiterin über den Hintergrund dieser Befragung informiert worden.

HVZ: Wie empfanden Sie dabei das Medium Skype? Als distanzierend oder einschüchternd?

Paul R. Schneider: Nein, weder noch. Alle Befragten haben sich ganz normal verhalten, waren überhaupt nicht gehemmt, haben offen gesprochen, lächelten und waren immer sehr freundlich. Die Gespräche fanden einzeln nacheinander statt. Die Einrichtungsleitung hatte extra dafür einen Raum reserviert; so war auch die Vertraulichkeit gewahrt.

HVZ: Wie lange dauerte die Befragung?

Paul R. Schneider: Insgesamt 5,5 Stunden, von 10:00 bis 15:30 Uhr. Die Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerte jeweils ungefähr eine Stunde. Daran schloss sich dann noch  das Gespräch mit der Einrichtungsleiterin an, bei dem diese mir noch einige Dokumente vorlegte und bereit war, zu bis dahin noch offenen Fragen Erklärungen zu geben.

HVZ: Und als Fazit? Was ist Ihr Eindruck vom Grünen Haken für Arbeitszufriedenheit?

Paul R. Schneider: Einrichtungen, die sich freiwillig solch einer Befragung stellen, gehören naturgemäß zu den sogenannten „besseren Einrichtungen“. Sie hängen gern und selbstbewusst das Grüne Haken-Zertifikat im Foyer aus, um damit zu zeigen, dass in diesem Haus die Arbeit des Pflegepersonals im Sinne von Arbeitsklima, Arbeitgeberleistung und Arbeitsorganisation wertgeschätzt wird.
Wenn der „Grüne Haken für Arbeitszufriedenheit“ dazu beiträgt, dass sich mehr Menschen für einen Beruf in der Pflege entscheiden, dann ist das eine gute Sache!

HVZ: Herr Schneider, vielen Dank für das Gespräch!

Danach sprachen wir mit Einrichtungsleiterin Katrin Best. Sie hatte vor zwei Jahren die Seniorenresidenz, die damals in sehr schlechten Zustand war, übernommen und seither sukzessive auf Vordermann gebracht.

HVZ: Frau Best, wie fanden Sie die Begutachtung?

Katrin Best: Sehr gut! Herr Schneider ist ein sehr freundlicher, sympathischer Mensch und das Gespräch war sehr angenehm.

HVZ: Wie fanden Sie die Begutachtung per Skype?

Katrin Best: Sehr gut. Ich fand das sogar von Vorteil gegenüber den Begutachtungen vor Ort. Wenn ein Gutachter im Haus unterwegs ist, bringt das viel mehr Unruhe mit sich. So konnte ich den Mitarbeiter herausnehmen. Die Skype-Begutachtung fand in einem separaten Raum statt, in dem der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin auf die Fragen von Herrn Schneider eingehen konnte, ohne gestört zu werden. Auch die MitarbeiterInnen gaben mir positive Rückmeldungen zur Skype-Begutachtung. Für uns bei Korian gehören Skype und TelKos schon lange zur internen Unternehmenskommunikation. Das war für uns nichts Neues.

HVZ: Wie haben Sie es geschafft, eine stabile Einrichtung zu schaffen?

Katrin Best: Als ich die Einrichtung übernommen hatte, gab es für alle einiges zu tun. Es begann damit, die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter zu erkennen und denen nach und nach entgegen zu wirken. Gleichzeitig wurde das Pflegepersonal gestärkt, so wurden zum Beispiel Mutterdienste eingeführt. Aufgrund des Wohn- und Teilhabegesetzes musste von 80 stationären Pflegeplätzen auf 58 Plätze reduziert werden. Um Entlassungen zu entgehen, wurden Pflegeassistenten bestärkt, die Ausbildung zu beginnen. Wir haben das Haus und den Garten ohne große Mehrkosten umgestaltet, zum Beispiel mit Farbe in den Wohnbereichen. Aus einer vernachlässigten Wildnis machten wir einen schönen Garten mit Gewächshaus und Hochbeeten und platzierten die neu. Und das etwas „siffige“ Raucherzimmer haben wir in eine kleine Kneipe umgestaltet.

HVZ: Was hat sich für Ihre Mitarbeiter verbessert?

Katrin Best: Es wurden feste Abläufe und verlässliche Strukturen, zum Beispiel verlässliche Arbeitspläne, eingeführt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden geschult. Dabei kam viel Wissen zum Vorschein, das verschüttet lag. Nun bekamen sie wieder Selbstbewusstsein zurück. Und die personelle Struktur wurde verändert. Bisher hatten immer dieselben MitarbeiterInnen in einem Wohnbereich zusammengearbeitet. Das erschien ihnen, wie in Stein gemeißelt. Ich habe das Personal dann unter den Wohnbereichen neu aufgeteilt, zum Teil gegen deren anfänglichen Widerstand, aber inzwischen sind alle zufrieden.

HVZ: Was hat Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei überzeugt?

Katrin Best: Wir haben drei Wohnbereiche: Einen größeren mit 26 BewohnerInnen und zwei kleinere mit 15 und 17 BewohnerInnen. Bei älteren Pflegerinnen und Pflegern habe ich mich gefragt, sind sie den Anforderungen des großen Wohnbereichs gewachsen? Wenn nicht, habe ich sie in einen der kleineren Wohnbereiche integriert. Damit stieß ich auf Akzeptanz.

HVZ: Haben Sie noch weitere Pläne?

Katrin Best: Uns fehlt ein Aufenthaltsraum für die MitarbeiterInnen. Im Moment gibt es nur einen Raucherraum oder die MitarbeiterInnen nutzen den Speisesaal morgens nachdem die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Frühstück beendet haben. Hier haben wir schon eine bessere Lösung im Auge.

 HVZ: Frau Best, vielen Dank für das Gespräch!

Die Curanum Residenz erfüllte in der Begutachtung die Anforderungen für den „Grünen Haken für Arbeitszufriedenheit“ in allen drei Kategorien mit 100 Prozent und erhielt am 29. Mai die Urkunde.

Wir gratulieren ganz herzlich!