Pflegeeinrichtungen drohen aktuell zu Hotspots der Corona-Ausbreitung zu werden. In vielen Häusern gelten deswegen strenge Besuchsverbote. Isolation und Vereinsamung stellen für ältere und pflegebedürftige Menschen aber ebenfalls eine massive Belastung und ein Gesundheitsrisiko dar. Bündnis 90/Die Grünen schlagen daher Maßnahmen vor, um die Betroffenen bestmöglich zu schützen und gleichzeitig ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben so gut es geht zu ermöglichen.

Für die Autorinnen des Papiers ist eine der diskutierten Exit-Strategien aus dem Lockdown, nämlich Risikogruppen pauschal abzuschotten und damit vom gesellschaftlichen Leben weitestgehend auszugrenzen, keine Option. Sie möchten Risikogruppen bestmöglich schützen und gleichzeitig ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben so gut es geht gewährleisten. Dazu machen sie folgende Vorschläge:

Schutz sicherstellen, um Besuche zu ermöglichen

Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen sollten so weit wie möglich verhindert werden. Eine Möglichkeit besteht in einem Zeitmanagement, das Menschen Zeitkorridore für ihren Besuch nennt. Mit genügend Schutzausrüstungen und weiteren medizinisch-pflegerischen Schutzmaßnahmen ließe sich sicherstellen, dass Besuche auch in der aktuellen Situation möglich sind und niemand von familiären oder befreundeten Kontakten abgeschnitten wird.

Gleichzeitig sollen Bewohnerinnen und Bewohnern, insbesondere wenn sie in Quarantäne sind, digitale Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit Freundinnen, Freunden und Verwandten ermöglicht werden, zum Beispiel mit Tablets für Videotelefonie. Die Autorinnen fordern einen Digitalpakt von Bund und Ländern, um notwendige IT-Investitionen in die Infrastruktur zu finanzieren.

Weiterhin gelte es, familiären und befreundeten Beistand im Sterbefall einzurichten. Eine Sterbebegleitung rührt an existenziellen Grundfesten und sollte – unter der Voraussetzung von Schutzmöglichkeiten – ermöglicht werden.

Selbstbestimmung und Teilhabe

Für ältere oder schwächere Menschen sollten Taxi-Fahrtkosten zum Arzt von der Krankenversicherung erstattet werden, bis aufsuchende gesundheitliche und pflegerische Angebote, also Hausbesuche, weiter ausgebaut werden. Da ältere und pflegebedürftige Menschen in diesen Zeiten für ihre grundlegende Versorgung zudem auf Hol- und Bringdienste angewiesen sind, sollte der sogenannte Entlastungsbetrag der Pflegeversicherung von 125 Euro auf 250 Euro verdoppelt und flexibilisiert werden, damit er zur Finanzierung solcher Dienste genutzt werden kann.

Kommunen sollten nach kreativen Lösungen suchen, die gefährdeten Gruppen zu schützen, wie beispielsweise durch Einkaufskorridore – zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Arealen.

Schutz und auch finanzielle Anerkennung

Pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte versorgen jeden Tag die ihnen anvertrauten Menschen. Die Autorinnen betonen, dass Pflegende dadurch nicht nur ausschlaggebend für deren Wohlergehen sind, sondern einen unschätzbaren Beitrag für die gesamte Gesellschaft leisten. Dafür verdienen sie Wertschätzung und Schutz. Schutzausrüstung und regelmäßige Testung für Pflegepersonen müssten daher Grundvoraussetzungen sein. Des Weiteren fordern die Autorinnen eine Prämie für Pflegekräfte als Anerkennung für ihre besondere Belastung in der Corona-Epidemie. Pflegende Angehörige sollten eine Lohnfortzahlung erhalten, für den Fall, wenn die Betreuung pandemiebedingt entfällt.

Mehr Informationen zu den Vorschlägen finden Sie hier.