Vermittlungsagenturen von BetreuerInnen und Pflegekräften aus Osteuropa sowie Pflegeverbände befürchten nach Ostern einen bundesweiten Versorgungsnotstand pflegebedürftiger Menschen. Denn viele Pflegekräfte würden nach den Feiertagen nicht mehr nach Deutschland einreisen wollen, da sie befürchteten, sich hier zu infizieren und außerdem unklar sei, ob sie in ihre Heimat zurückkehren können.

Die Münchner Vermittlungsagentur Hausengel Holding AG für private Haushaltshilfen und Betreuerinnen aus Osteuropa hat dazu aufgerufen, die Ein- und Ausreise der hier beschäftigten Frauen sicherzustellen. "Die Corona-Krise hat ganz klar Auswirkungen auf die vielen in Privathaushalten tätigen Betreuungskräfte aus Osteuropa", sagte Vorstandsmitglied Juliane Bohl dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im Moment seien die Bestandskunden noch gut versorgt. Nach Ostern aber könnte es zu Engpässen kommen. Wenn die Betreuungskräfte in ihre Heimat abreisten und zugleich kein Wechselpartner nach Deutschland einreisen könne, könne die ambulante Versorgung nicht mehr sichergestellt werden.

Bisher kamen viele osteuropäische Betreuerinnen mit Reisebusen nach Deutschland. Diese dürfen seit einer Woche nicht mehr fahren, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Viele Pflegerinnen aus Osteuropa möchten aus ihrem Heimaturlaub nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, aus Furcht sich hier anzustecken oder weil unklar ist, ob sie in ihre Heimat zurückkehren können. Rund 300.000 Haushalte wären davon laut Juliane Bohl in Deutschland betroffen.

Viele Pflegeverbände sind wegen des drohenden Versorgungsnotstandes ebenfalls alarmiert, wie das ARD-Magazin Report Mainz heute berichtet. „Wir müssen damit rechnen, dass nach Ostern 100.000 bis 200.000 Menschen schrittweise nicht mehr versorgt sind, dass sie alleine zuhause bleiben und dann in Altenheimen oder Kliniken versorgt werden müssen. Zusätzlich zu denjenigen, die dort jetzt schon gepflegt werden“, so Frederic Seebohm, Geschäftsführer des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege e.V. (VHBP). Der VHBP fordert daher schnelle Grenzübergänge und virensichere Transportkapazitäten, wie Einzeltaxis für die Betreuungskräfte von den Wohnorten zu den Bestimmungsorten in Deutschland.