Gerda schiebt ihren Rollator durch das Seniorenheim und fragt sich wie so oft in letzter Zeit, in welchem Stockwerk sie eigentlich wohnt. Sie, die gealterte Astrophysikerin, die früher so leicht mit Zahlen umgehen konnte, kann sie sich jetzt nicht mehr merken.
Die Graphic Novel von Barbara Yelin und Thomas von Steinaecker verknüpft das letzte Lebensjahr der alten Gerda mit Stationen aus ihrem Leben: Schon in der Schule fällt die intelligente Gerda durch ihre außergewöhnlichen Leistungen in Mathematik auf, aber bleibt auch stets eine Außenseiterin.  An der Universität profitiert ihr Professor von ihrem Talent und ihrem Fleiß und macht sie zu seiner Assistentin. Gerda lebt weltentrückt, aber zufrieden für ihre Forschung bis sie zufällig ihren Nachbarn kennenlernt und sich in ihn verliebt. Sie entscheidet sich für ihn und gegen die universitäre Karriere im Ausland und bekommt ein Kind. Als die Beziehung nach wenigen Jahren zerbricht, stürzt sie sich wieder wie zuvor in die Forschung.
Zwischen den Rückblicken auf Stationen ihres Lebens sieht man, wie die alte Gerda immer hinfälliger wird. Am Ende erleidet sie einen Herzinfarkt und ihr Herz bleibt stehen. Die Ärzte versuchen vergeblich, sie ins Leben zurückzuholen. Zugleich sieht man Gerda als Mädchen, das mit seinen Eltern ins Grüne gefahren ist. Als die Eltern wieder aufbrechen wollen, will Gerda nicht mehr weg von diesem Ort und versteckt sich. Während die Herztöne der alten Gerda immer schwächer werden und schließlich ganz verschwinden, hört man die Ärzte, die sie zu reanimieren versuchen und man sieht den  Vater, der sie zum Auto ruft. Doch Gerda hat entschieden „Ich bleibe hier“.
Der Sommer ihres Lebens über Gerdas Altern und Sterben hat kein leichtes Thema zum Inhalt, aber gerät nie in Gefahr in Rührseligkeit oder Bitterkeit abzugleiten. Die grandiosen Bilder schaffen eine dichte Atmosphäre mit vielen Verweisen und Rückbezügen, in denen man lange verweilt. Ein tiefsinniges und bemerkenswertes Buch.


Thomas von Sternaecker/Barbara Yelin: Der Sommer ihres Lebens, Reprodukt-Verlag, 2017, 20 Euro