Wie können wir unser Gehirn vor Alzheimer schützen? Welche Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung lassen sich für die Demenztherapie verwenden? Ist Alzheimer eine Entzündung des Gehirns? Wird es bald eine Impfung gegen Demenz geben? Das waren die zentralen Themen des zweiten internationalen Kongresses "ResDem" zur kognitiven Reservekapazität bei Demenzerkrankungen im November 2019 im Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Zurzeit leiden etwa 50 Millionen Menschen weltweit an einer Demenz, in Deutschland sind es über 1 Million: und es wird geschätzt, dass sich diese Zahl etwa alle 20 Jahre verdoppeln und es im Jahr 2050 über 130 Million Betroffene geben wird. "Diese Zahlen verdeutlichen eindrücklich, welche Herausforderungen auf die weltweiten Gesundheitssysteme zukommen werden, vom Leid für die Betroffenen und ihre Familien gar nicht zu sprechen", sagt Prof. Robert Perneczky, Leiter des Alzheimer Therapie- und Forschungszentrums der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am LMU Klinikum in München.

Der Alzheimer-Experte ergänzt: "Neuere Daten verdeutlichen jedoch auch, dass wir dieser besorgniserregenden Entwicklung auch ohne ausreichend stark wirksame Medikamente nicht hilflos ausgeliefert sind. Die stärkste Zunahme an Demenzfällen wird in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen beobachtet, z.B. in Asien oder Afrika. In reicheren, weiter entwickelten Ländern, z.B. in Europa oder den USA, steigen die Zahlen deutlich langsamer, obwohl die Menschen immer älter werden und ein höheres Alter mit einem höheren Demenzrisiko verbunden ist. Eine mögliche Erklärung für diese unerwartete Entwicklung in bestimmten Ländern ist, dass sich unsere Lebensgewohnheiten positiv verändert haben; wir ernähren uns beispielsweise gesünder und stärken unsere kognitiven Reserven gegenüber einer Demenz durch einen intensiveren und längeren Bildungsweg. Diese wichtigen Erkenntnisse eröffnen auch die Möglichkeit für neue nichtmedikamentöse Strategien zur Demenzprävention."

Schwerhörigkeit ist Risikofaktor

Nach wie vor ist Alzheimer Demenz nicht heilbar. Umso mehr kommt es darauf an, Risikofaktoren auszuschließen, die das Fortschreiten der Demenz begünstigen. Dazu zählt insbesondere die Schwerhörigkeit. Studien haben gezeigt, dass Schwerhörigkeit ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Alzheimer ist und dass man dagegen mit einfachen Mitteln etwas tun kann.

Denn der soziale Austausch und Kontakt mit Angehörigen, Freunden und Mitmenschen trainiert das Gehirn und verlangsamt den Krankheitsprozess: "Jeder dritte Mensch über 65 leidet an einer Schwerhörigkeit und es gibt handfeste neue Belege dafür, dass das Demenzrisiko bei diesen Menschen deutlich erhöht ist. Wir wissen mittlerweile auch, dass der Einsatz von Hörhilfen eine günstige, wirksame Methode sein kann, um die geistigen Fähigkeiten zu verbessern und eventuell auch das Demenzrisiko zu senken. Diese bedeutsame, unerwartete Erkenntnis eröffnet neue Möglichkeiten, effektiv gegen diese verheerende Erkrankung vorzugehen", erklärt Prof. Perneczky.

Weitere Informationen:

Das Alzheimer Therapie- und Forschungszentrum ist klinischer Kooperationspartner des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) München und arbeitet eng mit dem Imperial College London zusammen.

Der ResDem Kongress wird in enger Zusammenarbeit mit dem Marion von Tessin Memory-Zentrum ausgerichtet. Die Veranstaltung wird ermöglicht durch eine großzügige finanzielle Unterstützung durch die Pesl-Alzheimer-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Für seine laufenden Studien sucht das Alzheimer Therapie- und Forschungszentrum ständig nach interessierten Teilnehmern, die zum Fortschritt im Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit beitragen und von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren möchten. Bei Fragen oder zur Terminvereinbarung: 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Robert Perneczky 
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Klinikum der Universität München (LMU)
Campus Innenstadt
robert.perneczky@med.uni-muenchen.de

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