In jüngster Zeit tauchten immer wieder Skandale in den Medien auf, bei denen es um Misshandlungen von Heimbewohnern oder um Unterversorgung ging. Welche Folgen haben solche negativen Meldungen für Sie?

Für unsere Arbeit ist das extrem frustrierend. Wir werden angegangen und beschimpft und es ist schwer, dagegen anzugehen. Für die Medien ist nur eine schlechte Nachricht eine Nachricht. Ich würde sagen, dass die meisten Einrichtungen in Deutschland ordentlich funktionieren. Aber nur die schwarzen Schafe tauchen in den großen Medien auf. Wir sind vielen Anfeindungen ausgesetzt. Es ist schwierig, gegen dieses Bild anzukommen.

Wie machen Sie das in Ihrer Einrichtung?  

Es läuft nicht immer alles rund und es ist nicht immer einfach. Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, den relativen Betriebsfrieden zu bewahren. Mir ist es wichtig, mit meinen Mitarbeitern zu reden und ihnen zuzuhören. Wenn mir jemand auf dem Flur entgegenkommt und betrübt wirkt, spreche ich ihn an. Egal, ob es dabei um ein berufliches oder privates Problem geht.

Und dieser Umgang mit den Menschen macht sich bemerkbar. Wir hatten einmal einen Mitarbeiter, der sich auf eine andere Stelle beworben und gekündigt hatte. Nach zwei Wochen fragte er, ob er zurückkommen dürfe. Und wir haben ihn wieder eingestellt.

Unsere Einrichtung hat im einen Haus 32 Betten, im anderen 38 Betten und insgesamt 70 Angestellte. Wir sind fast immer voll ausgelastet.

In meiner wissenschaftlichen Arbeit während des Studiums habe ich die Werthaltungen in familiären Betrieben gegenüber Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern untersucht. Für mich sind das Loyalität, Vertrauen, Konsequenz, redliches Handeln und Offenheit. Ich sehe die Loyalität meiner Mitarbeiter mir gegenüber nicht als Selbstverständlichkeit. Die muss ich mir verdienen. Wenn ich mit meinen Mitarbeitern gut umgehe, dann gehen sie auch mit den Bewohnern gut um.
Für mich sind wichtige Kriterien, wie fühlt sich der Mensch und wie ist die Atmosphäre im Haus.

Was könnte die Pflege oder die Wahrnehmung der Pflege in der Öffentlichkeit verbessern?

Ich befürworte sehr die Verkammerung der Pflegeberufe wie bei uns hier in Niedersachsen. Eine einheitliche Berufsordnung ist notwendig. Sie hilft, den Pflegeberuf zu stärken. Die Pflege muss professioneller werden.

https://www.dbfk.de/de/themen/Pflegekammer.php


Und zum Schluss: Wie stehen Sie zum Grünen Haken?

Wir waren von Anfang an beim Grünen Haken dabei und ich werde bis zu meiner Rente dabei bleiben. Der Fragenkatalog des Grünen Hakens ist sozialwissenschaftlich fundiert. Ich finde ihn sinnvoll und erforderlich. Die MDK-Prüfung fragt die medizinischen und pflegerischen Aspekte ab; die müssen auch stimmen. Mir als Privatmensch käme es mehr auf den Grünen Haken an. Die Kombination aus beiden halte ich für optimal.

Herr Pomplun, vielen Dank für das Gespräch!

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