Das Justina von Cronstetten-Stift in Frankfurt am Main und das Kölner Theater Demenzionen erhielten den Geras-Preis 2019. Mit diesem Preis zeichnete die BAGSO Pflegeeinrichtungen und Initiativen aus, die den Bewohnerinnen und Bewohnern mit Hilfe von Kunst und Kultur mehr Teilhabe und Lebensqualität ermöglichen. Eine besondere Erwähnung erhielt ein inklusives Kunstvermittlungsprojekt aus Görlitz.

Im Justina von Cronstetten Altenpflegeheim findet jede Woche ein Ausflug zum Beispiel in ein Museum, eine Kunstausstellung oder ein Konzert statt. Über die Ziele stimmen die Bewohnerinnen und Bewohner zuvor ab. Hinzu kommen jährlich mehr als 100 Veranstaltungen im Justina von Cronstetten Stift. Zu den Theateraufführungen, Lesungen und klassischen Konzerten werden auch Angehörige und die Bürgerinnen und Bürger der Nachbarschaft eingeladen.

Dass Theater überall – auch in Pflegeeinrichtungen – stattfinden kann, zeigt das Theater Demenzionen unter der Leitung der Theaterpädagogin und Regisseurin Jessica Höhn. Seit 2007 entwickelt das Ensemble interaktive Theaterstücke für und mit Menschen mit Demenz. Das Theater Demenzionen tritt in Pflegeeinrichtungen in ganz Nordrhein-Westfalen auf.

Bei den Aufführungen werden die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeeinrichtungen aktiv beteiligt. Für die Theaterstücke werden Erinnerungen aus der Lebenswelt der 1950er und 1960er Jahre gesammelt, wie das Leben in der Wohnküche an einem Samstagnachmittag, die Urlaubsreise nach Italien oder die Weihnachtsfeier in der Familie. Die Inszenierung der Stücke bezieht das Publikum mit ein. Zuschauer und Zuschauerinnen werden zum Beispiel eingeladen, Wäsche zu falten, zu tanzen oder zu singen.

Das inklusive Kunstvermittlungsprojekt „Da bin ich – Eine musikalische Reise durch die Bilderwelt Camaros“ erhielt von der BABSO eine besondere Erwähnung. Die Musikgeragogin Christiane Dumke und Kunsttherapeutin Beate Wuigk-Adam ermöglichten Menschen mit und ohne Demenz kulturelle Teilhabe im Schlesischen Museum Görlitz. Sie luden im Rahmen der Sonderausstellung „Alexander Camaro und Breslau – Eine Hommage“ mit musikalischen Impulsen zu Gesprächen jenseits von richtig oder falsch über die Artisten- und Zirkuswelt der Bilder Camaros ein.

Dabei verknüpften sie Methoden der Altenarbeit wie Biografieorientierung und Validation mit Methoden der Musik- und Museumsarbeit, sodass sich ältere Menschen aus Pflegeeinrichtungen erzählend und musizierend den Werken Camaros nähern konnten.

Der Geras-Preis wurde am 7. Oktober 2019 im Rahmen der Fachtagung „Beteiligtsein von Menschen mit Demenz – Kunst und Kultur schaffen Zugänge“ der BAGSO in Duisburg überreicht. Das Preisgeld beträgt insgesamt 5.000 Euro. Mitglieder der Fachjury waren die Kulturmanagerin Almuth Fricke, die Sozialpädagogin Ramona Geßler, der Musikpädagoge Prof. Dr. Theo Hartogh, Prof. Dr. Ursula Lehr, Gerontologin und Ehrenvorsitzende der BAGSO, sowie Katrin Markus vom BAGSO-Vorstand.