Nach knapp einem Jahr Arbeit präsentierten Gesundheitsminister Jens Spahn, Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil am 4. Juni in Berlin ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Pflege. Seit Sommer 2018 hatte die Regierung mit Arbeitgebern und Gewerkschaften, Betroffenenvertretern, Krankenkassen sowie Kirchen und Wohlfahrtsverbänden Vorschläge erarbeitet.
Die wichtigsten Vereinbarungen:

Bezahlung:
Um die Pflege attraktiver zu machen, sollen bessere Gehälter gezahlt werden, so Heil. Wenn es Arbeitgebern und Gewerkschaft Verdi gelingen sollte, einen flächendeckenden Tarifvertrag abzuschließen, würde die Bundesregierung diesen für die ganze Pflegebranche für verbindlich erklären. Sollte dies nicht der Fall sein, sollen Mindestentgelte für Hilfskräfte, aber auch Pflegefachkräfte festgelegt werden. Außerdem soll es eine einheitliche Bezahlung in Ost- und Westdeutschland geben.

Ausbildung:
„Pflege ist ein Zukunftsberuf“ betonte Familienministerin Giffey, der Möglichkeiten für viele Berufswege eröffne. Ab 2020 soll es eine neue Pflegeausbildung geben, bundesweit werde das Schulgeld abgeschafft. Stattdessen sollen Azubis Vergütungen erhalten. Zusätzlich sind 5000 Weiterbildungsplätze geplant. Im Jahr 2023 soll es zehn Prozent mehr Azubis und Ausbildungseinrichtungen im Vergleich zu 2019 geben.

Arbeitsbedingungen:
Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind strapaziös. Mit der Folge, dass viele Pflegekräfte nur Teilzeit arbeiten oder ganz aus dem Beruf aussteigen. Das soll sich nun ändern, indem ein verbindlicher Personalschlüssel umgesetzt werden soll. Es sollen genaue Vorgaben gemacht werden, wie viele Pflegekräfte für wie viele Pflegebedürftige vorgesehen sind. Um Fachkräfte aus dem Ausland anzulocken, sollen diese bereits in ihren Herkunftsländern bei der Fach- und Sprachausbildung unterstützt werden.
Für Vermittler von Pflegekräften aus dem Ausland soll ein Gütesiegel entwickelt werden.

Der Pflegeberuf soll außerdem attraktiver werden, indem Pflegefachkräfte mehr Verantwortung erhalten, etwa indem sie stärker mit Ärzten zusammenarbeiten. Standards dafür sollen dieses Jahr erarbeitet werden. Außerdem soll digitale Technik die Arbeit der Pfleger entbürokratisieren. Ziel ist es „mittelfristig“ komplett auf elektronische Datenverarbeitung umzustellen, also mit digitalen Pflegeakten und Verordnungen.

Finanzierung:
„Eine Verbesserung der Entlohnung“ mache „eine verbesserte Finanzausstattung der Pflegeversicherung erforderlich“ steht im Maßnahmenpaket der Bundesregierung geschrieben. Zugleich müsse „eine finanzielle Überlastung der Pflegebedürftigen“ durch steigende Eigenanteile verhindert werden. Wie die Pflege der Zukunft nun aber finanziert werden soll, dazu gibt es vorerst keine konkreten Aussagen der Bundesregierung.