„Ich wurde Gutachterin beim HVZ, weil ich den Ruf der Pflegeheime in der Öffentlichkeit verbessern wollte. Eigentlich bin ich mein ganzes Leben lang gesellschaftlich tätig gewesen. Vor 40 Jahren bin ich nach Chemnitz gezogen. Seither bin ich in mehreren Gremien aktiv, die sich alle mit der Pflege und Betreuung älterer Menschen beschäftigen. Von Beruf war ich Krankenschwester in leitender Tätigkeit. Daher kenne ich auch viele Pflegekräfte.
Vor zehn Jahren war ich bei einer Beratung des Seniorenpolitischen Netzwerks in Chemnitz. Bei dieser Veranstaltung kam eine Frau, auf mich zu, mit einem Flyer vom neu ins Leben gerufenen „Grünen Haken“, bei dem gerade ehrenamtliche Gutachter gesucht wurden. Sie übergab ihn mir mit den Worten: „Das ist etwas für Sie!“
Damals hatte ich die Idee gehabt, zum Beispiel mit dem Seniorenbeirat der Stadt gemeinsam Pflegeheime zu besuchen, als eine Art Heimpolizei, um den Heimen den Rücken zu stärken. Denn es stört mich, wenn grundsätzlich negativ über Einrichtungen geredet wird. Vieles, was gut läuft in den Pflegeheimen, ist in der Öffentlichkeit gar nicht bekannt. Es gibt kinderfreundliche Seniorenheime. Kindergärten und Schulen, die Heimbewohner besuchen, um mit ihnen gemeinsam zu basteln, Märchen zu erzählen, Ostereier zu bemalen, etc.“

Fortbildung zur Pflegeheim-Gutachterin

Ursula Liske hielt mit ihren Angehörigen Familienrat ab. Es wurde entschieden, dass sie sich um eine Gutachterinnentätigkeit bewerben solle. Dann folgte eine dreitägige Ausbildung in Leipzig. Nach der bestandenen Abschlussprüfung war sie zunächst Juniorgutachterin. Gemeinsam mit einem Seniorgutachter besuchte sie zwei Einrichtungen. Dabei beobachtete sie aufmerksam, was der Gutachter fragte, worauf er besonders schaute und wie er die Gespräche mit den Bewohnern führte. Kurze Zeit darauf meldete sich das nächste Heim zur Begutachtung an und Ursula Liske musste sich als neue Seniorgutachterin beweisen. Seither hat Ursula Liske 170 Heime begutachtet; viele wurden von ihr selbst akquiriert. „Die Heime, die ich akquiriere, möchte ich selbst begutachten. Ich möchte ja auch die Menschen dazu kennenlernen.“

Heimakquise

Ursula Liske hat viele Seniorenheime akquiriert. Sie führt individuelle Gespräche mit den Geschäftsführern oder schreibt diese an, wenn sie den Eindruck hat, eine Einrichtung ist es wert, begutachtet zu werden. Bei einer kürzlich stattgefundenen „Dankeschön-Veranstaltung“ eines großen Trägers, der ihr für ihr ehrenamtliches Engagement dankte, sprach sie den Geschäftsführer an: Dieser Verband hätte doch auch Pflegeheime. Warum diese sich nicht für den „Grünen Haken“ gemeldet hätten, ob bei denen denn etwas nicht in Ordnung sei? - „Wir sind ehrenamtlich, wir begutachten die tägliche Arbeit“, versuchte Ursula Liske die Scheu vor einer Begutachtung zu nehmen. „Wir sind ja kein MdK“ (Anm.: Medizinischer Dienst der Krankenkassen). Der Geschäftsführer und Ursula Liske sind in Kontakt geblieben.

Mit ihrer Meinung hält sie nicht hinterm Berg

Frau Liske ist auch ehrenamtliche Pflegeberaterin In Chemnitz. Bekannte fragen sie oft nach ihrer Meinung zu diesem oder jenem Seniorenheim, nachdem ein Angehöriger dort eingezogen ist. Kürzlich war sie bei der Einweihung einer Wohnanlage mit Service eines Trägers, der auch ein Heim in Chemnitz hat. Dabei zeigte sie einem Mitarbeiter einen baulichen Fehler im Hof, eine Stolperfalle, über die auch prompt ein Besucher fast zu Fall kam. „Ich halte mit meiner Meinung nicht hinterm Berg“, so Ursula Liske. Auch nicht, wenn sie bei einer Begutachtung auf ehemalige Kolleginnen trifft und diese einen schroffen Umgangston haben: „Schwester Monika, sagte ich zu ihr. So geht’s aber nicht. So können Sie nicht mit den Menschen reden.“

Nach 170 begutachteten Senioreneinrichtungen, gibt es da für sie noch Neues, Positives in Seniorenheimen zu entdecken? „Ständig“, antwortet Frau Liske, „ in einer Einrichtung in Königswartha ist mir sehr positiv aufgefallen, dass für alle Bewohner eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Diese betrug dann nur noch 63 ct monatlich pro Person, statt der 3 bis 5 Euro einer individuellen Versicherung. Den Menschen ist es wichtig, dass sie nicht unnötig viel Geld ausgeben müssen.“

Beliebt und geschätzt

Ursula Liske ist eine beliebte und geschätzte Gutachterin, deren Besuche immer positive Rückmeldungen bekommen. Welche Eigenschaften sind wichtig für eine Gutachterin oder einen Gutachter beim Grünen Haken? „Kontaktfreudigkeit, Fachwissen im Bereich der Pflege“, antwortet Frau Liske, „ und ich muss eine Einrichtung, die Bewohner und die Pflegekräfte so betrachten, als ob ich oder ein Angehöriger derjenige wäre, der hier einziehen wird.“