Große Finanzinvestoren haben seit einiger Zeit Pflegeheime als lukrative Objekte entdeckt, die langfristig hohe Renditen erwirtschaften. Daran wird sich so bald nichts ändern. Unsere alternde Gesellschaft wird weiterhin für eine hohe Nachfrage nach Pflegeheimplätzen sorgen und die Politik hält sich raus. Denn sie war es, die in den 90er Jahren privaten Investoren den Zugang verschafft hat, indem sie private mit anderen Anbietern in der Pflege gleichstellte. Seither tummeln sich Spekulanten auf dem Pflegeheim-Markt und bis zu 10 Prozent jährliche Renditen fließen in die Kassen von privaten Investoren. Das Geld das hier abgeschöpft wird, fehlt immer öfter in den Einrichtungen vor Ort.

Natürlich können auch private Betreiber gute Pflege bieten. Aber die Wirklichkeit sieht nun mal anders aus. Wird ein Pflegeheim von einem Investor übernommen, so sind die Veränderungen oft gravierend. Denn die neuen Eigentümer fühlen sich nicht in erster Linie dem Wohl der Menschen einer Senioreneinrichtung verpflichtet, sondern ihren Anlegern. Und diese erwarten, dass sich der Wert der „Geldanlage Pflegeheim“ mehrt.

Dies geschieht, indem Kosten gespart werden. Zunächst steigt der Druck auf die Pflegekräfte: Weniger Fachkräfte sind nun für mehr Bewohner zuständig. Es bleibt weniger Zeit für den einzelnen Bewohner. Tatsächlich müsste die Situation genau umgekehrt sein: Denn es gibt immer mehr dementiell erkrankte Menschen in Pflegeheimen, die mehr Aufmerksamkeit beanspruchen als „normale“ Bewohner. Mehr Druck, eine nicht-zufriedenstellende Arbeitssituation und dies alles häufig bei schlechterer Bezahlung - denn die großen privaten Anbieter zahlen meist unter Tarif. Die Folge ist eine hohe Fluktuation. Ein Phänomen vieler Einrichtungen mit einem großen privaten Träger. Auch alle weiteren Bereiche sind vom Sparkurs dieser Investoren betroffen. Putzdienst und Küche werden kostengünstig ausgelagert. Im Gegenzug lässt sich sagen, dass sich eine gute Einrichtung oft daran erkennen lässt, dass sie viel Wert auf die Ernährung der Bewohner legt.

Ein deutliches Anzeichen für eine Veränderung zum Schlechten hin beobachten wir auch in Bezug auf die von uns angebotenen freiwilligen Begutachtungen mit unserem Qualitätssiegel Grüner Haken für Lebensqualität im Alter. Viele Einrichtungen, die sich von uns mehrmals zertifizieren ließen, springen nach der Übernahme durch einen Investor plötzlich ab.  Oft zum Bedauern der Einrichtungsleitungen; aber die Weisung von oben laute: Wir lassen uns nicht mehr freiwillig für die Lebensqualität in der Einrichtung zertifizieren. Hier geht den Verbrauchern, die auf der Suche nach einer Pflegeeinrichtung sind, eine wichtige Orientierungshilfe verloren.

Für die Investoren stellt der Verlust der Lebensqualität kein Problem dar. Im Gegenteil: Der Wert der Pflege-Immobilie hat sich gesteigert, und der Investor kann das Objekt mit hohem Gewinn weiterverkaufen.

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Ute Hechtpresse@heimverzeichnis.de