Was geht, wenn Reisen und Kümmern zusammen geht

 

Wallerstein, 04.09.2017 – Wenn ein junger Mensch gute Erfahrungen im Zusammenleben mehrerer Generationen gemacht hat, können überraschende Impulse entstehen. Wie bei Alexander Popp, Medizinstudent aus Erlangen, der in einem Mehrgenerationenhaushalt aufgewachsen ist und ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Großmutter pflegt: „Alte und junge Menschen passen gut zusammen“, weiß der 20Jährige und hat in diesem Vertrauen die Initiative „Care and Travel“, übersetzt Kümmern und Reisen, ins Leben gerufen. Sie fußt auf der Idee, dass junge Menschen für einen vereinbarten Zeitraum im Pflegeheim helfen, dort auch leben und in der Freizeit die für sie unbekannte Gegend erkunden. Popps erster Einsatz führt ihn in die Fürstin Wilhelmine Alten- und Pflegeheim-Stiftung nach Wallerstein. Dort lebt und hilft er derzeit für vier Tage und erkundet in seiner Freizeit die Landschaft in und um Wallerstein und Nördlingen.

 

Dreh- und Angelpunkt seines Einsatzes ist die therapeutische Arbeit für die an Demenz erkrankten Bewohner. Für sie gilt es, zum Beispiel mit saisonalen Anlässen Bezüge zur eigenen Biografie herzustellen und gute, das Vertrauen stärkende Erinnerungen wachzurufen. So nimmt der Student an der „Frohen Runde“, dem täglichen Spiel- und Aktivprogramm im Haus teil. Hier werden Ausflüge wie die jährliche Wallfahrt oder besondere Kochprojekte thematisch vorbereitet und mit Bewegungsübungen kombiniert. Oder einfach Bingo gespielt, wie am vergangenen Montag. Auch sein musikalisches Können an der Gitarre und am Klavier fließt mit ein, wie bei der Geburtstagsfeier für die im August Geborenen. Allein dadurch, dass er im Gästezimmer vor Ort lebt, macht dieses Praktikum zu einer besonderen und intensiven Erfahrung: Er frühstückt mit den Mitarbeitern, isst zu Mittag mit dem Pflegepraktikanten und abends mit den Bewohnern im Wohnbereich. Es bleibt Zeit für manch ein Gespräch wie mit einem beinamputierten Herrn, der mit seiner Lebenshaltung und Weisheit beeindruckt.

 

Mehr Einblick mit Reisetagebuch auf Facebook

Auch Pflegeaufgaben sind Teil dieser Zeit; sie sind ihm bereits durch Pflegepraktika in Krankenhaus und Pflegeheim während des Medizinstudiums vertraut. Von daher stammen auch seine ersten Erfahrungen mit der Krankheit Demenz. Diese hatten, besonders dort, wo sie mit Rückzug, Trauer und Einsamkeit gepaart sind, zu der Initiative als seine persönliche Antwort geführt. Mehrere Kommilitonen und WG-Mitbewohner, denen er von seinen Erfahrungen und der Initiative berichtet hatte, sind nun an einer Teilnahme interessiert, eine plant bereits konkret ihren Einsatz in einem weiteren Pflegeheim. Alexander Popp gibt ihnen vorab Einblick mit einem Reisetagebuch unter dem Stichwort „Care and Travel“ auf Facebook. Hier berichtet er über eindrucksvolle Gespräche und Tourenerlebnisse wie die plötzliche Begegnung mit einer Wildschweinrotte. Die Internetseite www.care-and-travel.org wiederum erklärt Grundgedanken und Entstehungsgeschichte der Initiative.

 

Mit Praktikum Horizont erweitern

Die Arbeit mit Praktikanten stellt ein wichtiges Element in der Fürstin Wilhelmine Stiftung dar, gerade, um Vorbehalte zwischen den Generationen abzubauen und den Kontakt freudvoll erlebbar zu machen. Es wird häufig zusammen gebastelt, gespielt und gefeiert. Die Mitarbeiter nutzen die Zeit, um ihren Praktikanten das Leben im Haus und seine Angebote zu zeigen und zu erklären. Die Stiftung kennt Praktikanten aller Schultypen, die meist eine Woche vor Ort und auch später immer wieder Gast sind.

 

Kontakt

Fürstin Wilhelmine

Alten- und Pflegeheim-Stiftung Wallerstein

Eva Kofler-Poplawsky

Stiftungsleitung

Hauptstraße 83

86757 Wallerstein

Tel.: 09081 – 70 81

www.fuerstin-wilhelmine-stiftung.de