In seiner jetzigen Form ist der neue „Pflege-TÜV“ keine brauchbare Orientierungshilfe für den Verbraucher. Eine Hilfe sowie Orientierung bei der Suche nach einer guten Pflegeeinrichtung mit Lebensqualität bietet bislang nur das unabhängige Qualitätszeichen „Grüner Haken“. Hier unterziehen sich stationäre Pflegeeinrichtungen freiwillig einer Begutachtung in den Bereichen Autonomie, Teilhabe und Menschenwürde.

Die MDK-Prüfung, im Volksmund auch „Pflege-TÜV“ genannt, ist mit Recht in Verruf geraten. Obgleich in den letzten Jahren immer wieder desaströse Zustände in einigen Einrichtungen aufgedeckt wurden, liegt die Durchschnittsnote der bundesweit mehr als 13.000 Pflegeeinrichtungen bei 1,2. Kaum eine Einrichtung schnitt schlechter als 1,4 ab.

Die Schulnoten sollten Menschen, die für einen Freund oder Angehörigen einen Platz in einer Einrichtung suchten, dabei helfen, ein geeignetes Heim auf einen Blick erkennen zu können. Nachteilig nur, dass die Noten keinerlei Aussagekraft besitzen.

Zu den guten Noten kam es unter anderem, da eine negative Beurteilung in der Pflege etwa mit einer positiven Beurteilung durch einen gut lesbaren Speiseplan wieder ausgeglichen werden konnte. „Singen eins, Mathe sechs“, damit wäre man in der Schule nicht durchgekommen, kritisiert etwa die Deutsche Stiftung Patientenschutz. „In der Pflege erhalten Sie die Durchschnittsnote drei“. Die Prüfung durch den MDK erfolgt einmal im Jahr und zwar unangemeldet. Doch ein Prüfling, der jedes Jahr die gleichen Fragen vorgelegt bekommt, weiß, welche Antworten von ihm erwartet werden. „Die Pflegeheime bereiteten sich mittlerweile optimal auf die Kontrolleure der Kassen vor“, so Peter Pick vom Medizinischen Dienst

Gesundheitsminister Jens Spahn hat Anfang November den neuen Pflege-TÜV vorgestellt, der ab Herbst 2019 eingeführt werden soll.  Anderthalb Jahre lang entwickelten Klaus Wingenfeld und seine Kollegen vom Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld ein Konzept, in dem die „Qualitätsbeurteilungen in der pflegerischen Versorgung“ grundlegend neu ausgerichtet werden soll. Die bisherigen Qualitätsprüfungen und die Pflegenoten wird es dann nicht mehr geben.

In Zukunft soll sich die MDK-Prüfung weniger stark an der Kontrolle der Unterlagen der Heime orientieren, sondern mehr den Zustand der Bewohner in Augenschein nehmen. Statt unangekündigter Besuche der Prüfer, werden diese ihre Prüfung einen Tag vorher anmelden.

In den neuen Pflege-TÜV fließen Daten, die die Pflegeheime über ihre Bewohner erheben, mit denen aus der Kontrolle durch die MDK-Prüfer zusammen, woraus sich die Bewertung ergibt. Diese wird allerdings deutlich komplizierter als die bisherigen Schulnoten ausfallen: Punkte und Kästchen bewerten detailliert jeden einzelnen Bereich der Pflegeeinrichtung. Künftig werden dem Verbraucher also viel mehr Daten und Informationen über eine Pflegeeinrichtung zur Verfügung stehen. Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus kritisierte, dass sich Heime durch das neue System schwer miteinander vergleichen ließen und die Ergebnisse für den Verbraucher unverständlich blieben. Dazu kommt, dass viele Ergebnisse nicht transparent gemacht werden, etwa zu freiheitsentziehenden Maßnahmen.

Fazit: In seiner jetzigen Form gibt auch der neue „Pflege-TÜV“ dem Verbraucher keine Orientierung. Eine Hilfe bei der Suche nach einer Pflegeeinrichtung mit Lebensqualität bietet bislang nur der „Grüne Haken“.